F 700 GS: Wie das Federbein wirklich eingestellt wird

F 700 GS: Wie das Federbein wirklich eingestellt wird
Wer von einer 1200er GS auf die F 700 GS umsteigt, bringt automatisch Erwartungen mit. Bei der großen Boxer-GS kennst du ESA als System, das per Knopfdruck sowohl die Dämpfung als auch die Federvorspannung elektronisch regelt - Solo, Solo mit Gepäck, Sozius, Sozius mit Gepäck, alles per Schalter am Lenker. Bei der F 700 GS ist das anders, und genau das sorgt regelmäßig für Verwirrung, wie zuletzt in einem Beitrag im GS-Forum, in dem ein Umsteiger sich über ein Stellrad wundert, das sich einfach nicht drehen lassen will.
Zwei verschiedene Systeme unter demselben Namen
Das “ESA” der F 700 GS (und der baugleichen F 800 GS) ist technisch eine deutlich einfachere Lösung als beim großen Boxer. Über die Fahrmodi Normal, Comfort und Sport schaltest du ausschließlich die Dämpfungscharakteristik des Federbeins elektronisch um - straffer oder weicher, je nach Vorliebe und Strecke. Was das System bei der F 700 GS nicht kann: die Federvorspannung automatisch an Zuladung oder Sozius anpassen. Das musst du bei diesem Modell nach wie vor von Hand erledigen, mechanisch, über ein Stellrad direkt am Federbein.
Das erklärt auch, warum im Cockpit der F 700 GS keine Option für “Sozius” oder “Gepäck” auftaucht, wie man sie von der 1200er kennt - es gibt sie in diesem System schlicht nicht. Die drei Fahrmodi betreffen nur, wie hart oder weich das Federbein einfedert, nicht wie stark es vorgespannt ist.
Das Stellrad
Für die Vorspannung ist unter der Sitzbank ein kleiner Kunststoffschlüssel verstaut, mit dem du das Handrad am Federbein drehst. Damit lässt sich die Vorspannung stufenlos zwischen “leicht beladen” und “voll beladen mit Sozius” verstellen. Zwei Punkte machen diese Einstellung in der Praxis oft mühsamer, als es klingt:
- Das Hinterrad muss entlastet sein. Am besten stellst du die F 700 GS auf den Hauptständer oder lässt sie auf einer Hebebühne stehen, bevor du am Rad drehst. Mit vollem Gewicht auf dem Federbein blockiert der hydraulische Verstellmechanismus spürbar, und du hast das Gefühl, das Rad “klemmt”, obwohl es technisch gesehen einfach nur gegen die Vorspannung ankämpft.
- Der Verstellmechanismus ist hydraulisch, nicht rein mechanisch. Bewegt sich über längere Zeit nichts - etwa weil ein Vorbesitzer die Einstellung nie verändert hat -, kann die Hydraulikeinheit im Federbein leichtgängig zäh werden. Das Rad dreht sich dann spürbar schwerer oder scheinbar gar nicht, obwohl mechanisch nichts fest sitzt.
Hilft beides nicht und das Stellrad bewegt sich wirklich keinen Millimeter, auch mit entlastetem Hinterrad und spürbarem Krafteinsatz, deutet das auf einen Defekt der Verstelleinheit im Federbein selbst hin - ein bekanntes Alterungsthema bei der F 700/800-Baureihe, gerade bei Maschinen, die lange in einer Stellung standen. In dem Fall bringt nachölen oder Rütteln am Rad nichts mehr, dann hilft nur eine Werkstattdiagnose und im Zweifel ein Ersatz- oder Aufarbeitungsteil.
Praktische Einstellung für den Alltag
Für den täglichen Gebrauch reicht ein grobes Gefühl völlig aus:
- Solo, wenig Gepäck: Vorspannung eher im unteren bis mittleren Bereich, das Heck bleibt komfortabel und spricht gut an.
- Mit vollem Gepäck oder Sozius: Vorspannung Richtung Maximum drehen, damit das Federbein nicht durchsackt und die Geometrie stabil bleibt.
Ein einfacher Test hilft beim Feinjustieren: Setz dich mit der geplanten Zuladung auf die Maschine und prüfe den Negativfederweg am Heck. Sackt das Federbein zu stark ein, ist mehr Vorspannung fällig. Bleibt kaum Reserve nach oben, darfst du etwas zurückdrehen.
Wer regelmäßig zu zweit und mit Gepäck unterwegs ist und mit der Serienabstimmung dauerhaft unzufrieden bleibt, sollte auch einen Blick auf hochwertige Nachrüstfederbeine werfen - bei einer echten Fehlfunktion der originalen Verstelleinheit kann sich das je nach Alter der Maschine sogar eher lohnen als eine Reparatur.
Für die passende Zuladungs-Praxis auf Reisen lohnt sich generell ein Blick auf durchdachtes Zubehör für die F 700 GS, zum Beispiel bei Hornig - von der Wetterschutzscheibe bis zum Gepäcksystem findet sich dort einiges, das den Alltag mit vollem Federbein entspannter macht.